11.09.2019 – Leserbrief von Dorothee Zimmermann

veröffentlicht in der RHEINPFALZ am 11.09.2019 (als Reaktion auf den Artikel „Der Grenzgänger“, 07.09.2019, in dem die Umtriebe des Bundespolizisten Hochscheid im Dunstkreis des selbsternannten rechten Frauenbündnisses hinterfragt werden):

„Polizist hält bei rechten Demos Reden – wie passt das?“
Alleine bei der Überschrift muss es einem eigentlich eiskalt den Rücken runterlaufen. „Wie passt das“ wird gefragt. Gar nicht! muss hier die klare Antwort lauten, die auch in keinster Weise in Frage gestellt werden darf. Wer nur ansatzweise die Entwicklung des rechtsextremen „Frauenbündnis Kandel“ verfolgt hat, die Instrumentalisierung eines Opfers und dessen Familie auf unbarmherzige und furchtbare Art und Weise, der weiß, dass eine Sympathisierung mit dieser Vereinigung ohne eine offene und auch öffentlich zur Schau gestellte rechte Gesinnung nicht möglich ist. Man muss sich nur die Mühe machen und die Namen der bisher beim Frauenbündnis aufgetretenen Redner mal im Internet nachlesen, um schnell zu erfahren, wo diese ihr Gedankengut her haben.

Und dann wird im Falle Hochscheid argumentiert, dass die von ihm in seinen Reden getätigten Aussagen unproblematisch gewesen seien. Unproblematisch? Bezogen auf den Inhalt der Reden mag das ja vielleicht sogar stimmen, aber nicht bezogen auf die Tatsache, dass ein Beamter der Bundespolizei mit diesem Bündnis mit marschiert. Das „Frauenbündnis Kandel“ steht für Hetze und Hass, für Ausländerfeindlichkeit und für die Abschaffung der Demokratie, koste es, was es wolle. Da darf auch gerne mal ein Politiker auf der Terrasse erschossen werden, solange es dienlich ist und in das Weltbild der „Bündnisfrauen“ passt. Wohlgemerkt ein Weltbild, das keinen Platz hat für Andersdenkende und Anderslebende, für Menschen anderer Hautfarbe oder anderer Sprache.

Und wenn man sich, wie Herr Hochscheid, in so einer „Gemeinschaft“ offen zeigt und mit ihr sympathisiert, ist der Inhalt seiner Reden völlig zweitrangig, sogar unerheblich. Er steht mit der Teilnahme an diesen Versammlungen klar gegen Demokratie und Solidarität. Und die hat er ja aber laut Bundesbeamtengesetz zu vertreten und auch zu verteidigen. Immer noch alles unproblematisch?

Und dass die Bundespolizeibehörde in Potsdam schweigt und auf das Bundesinnenministerium verweist, dass die Bundespolizeigewerkschaft sich nicht äußern möchte und es in Bad Bergzabern gar eine „absolute Auskunftssperre“ zum Thema Hochscheid gibt, ist nicht nur völlig unangebracht, sondern sogar fatal. Wer glaubt, in der heutigen Zeit solche Angelegenheiten durch Schweigen auszusitzen oder gar zu lösen, hat aus der Geschichte nichts gelernt.

„Nichts zu sagen – sagt manchmal am meisten aus.“ Emily Dickinson

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