14.11.2018 – Leserbrief von Bianca Römer

Veröffentlicht in der RHEINPFALZ:
Warum bleiben die Kandler zu Hause?
Augen, Mund, Ohren, Fenster, Rollläden und Türen zu verschließen hat vor 80 Jahren nicht gereicht und wird es auch heute nicht. Erst kürzlich erzählte mir eine Nachbarin, dass sie nie vergessen wird, wie sie als kleines Kind in der Hauptstraße in Kandel die Plünderung des Hauses einer jüdischen Familie miterlebte, deren Möbel aus dem Fenster geworfen wurden.

Um es mit dem Philosophen Karl Jaspers zu sagen: Die Weimarer Republik scheiterte nicht vornehmlich an ihren offenen Feinden, sondern vor allem daran, dass zu wenig Demokraten rechtzeitig bereit waren die Demokratie zu verteidigten.
Deshalb: Kandler, Hagenbacher, Rülzheimer, Jockgrimer, Südpfälzer, Pfälzer, Rheinland Pfälzer – macht endlich die Augen auf und empört euch! Gegen diese Okkupation unserer Stadt! Geht auf die Straße und zeigt, dass die selbsternannten „Retter Deutschlands“ nicht die Mehrheit der Menschen dieses/unseres Landes repräsentieren. Von allein wird es nicht aufhören. Das sollte man nunmehr nach 17 Demos verstanden haben.
Und noch eine Anmerkung bezüglich der in der Rheinpfalz veröffentlichten Aussage, es seien keine Fahnen mit Hoheitszeichen – nach § 124 Abs.1 OWiG für Privatpersonen verboten – im Demonstrationszug des Frauenbündnis Kandel mitgeführt worden. Dies entspricht nicht den Tatsachen, auch wenn Polizei und Ordnungsamt sich anderslautend geäußert haben, denn u.a war dort nachweislich eine Fahne mit dem sächsischen Hoheitswappen zu sehen (Foto liegt der Redaktion vor). In gleicher Veranstaltung wurde die nächste Demo angekündigt zusammen mit Biker für Deutschland. Wer die Biker für Deutschland nicht kennt: Diese selbsternannte „Schutztruppe“ ist dem rechtsextremen Umfeld zuzuordnen und präsentiert sich auch gerne mit Filmen auf youtube. Die Verbindung zum Frauenbündnis Kandel  ist eng,  wie unschwer zu erkennen ist.
Schaut nicht weg und mischt euch ein. Bezieht Position und verteidigt die Demokratie und eure (samstägliche) Freiheit in der Stadt und in Euren Höfen und Gärten. Setzt euch ein für eine offene Gesellschaft, in der die Würde aller in Deutschland lebenden Menschen unantastbar ist.

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