Geschlossen gegen Rechts

Artikel aus der RHEINPFALZ von Nicole Thauer, erschienen online am Dienstag, den 29.01.2019.

Kan­del: Ge­mein­sam ha­ben „Wir sind Kan­del“ und „Kan­del ge­gen rechts“ am Sams­tag bei ei­ner klei­nen Kund­ge­bung des „Frau­en­bünd­nis­ses“ da­ge­gen ge­hal­ten. Dies war der ers­te ge­mein­sa­me Auf­tritt der Bünd­nis­se, wei­te­re sol­len fol­gen. Für die neue Ei­nig­keit hat ein Work­shop mit dem Trie­rer-Ex-Bür­ger­meis­ter ge­sorgt.

Die „Ro­te Kar­te“ ge­zeigt ha­ben am Sams­tag je­weils ei­ni­ge An­hän­ger von „Wir sind Kan­del“ (WsK) und „Kan­del ge­gen Rechts“ (KgR) bei ei­ner klei­nen Ver­an­stal­tung von „Frau­en­bünd­nis“-Sym­pa­thi­san­ten vor der Kan­de­ler Ver­bands­ge­mein­de­ver­wal­tung. Auch Ver­bands­bür­ger­meis­ter Vol­ker Poß (SPD) war ge­kom­men. Die Ak­ti­on war der ers­te ge­mein­sa­me Auf­tritt der Bünd­nis­se. Für Kan­del ist das ein gro­ßer Schritt: Zu­vor wa­ren WsK und KgR zwar mo­na­te­lang ge­gen rech­te De­mons­tran­ten auf die Stra­ße ge­gan­gen – al­ler­dings nie ge­mein­sam. Ein Streit­punkt war der Um­gang mit der An­ti­fa, auch sonst fan­den die Bünd­nis­se zu­nächst nicht zu­sam­men.


Die Wen­de brach­te Mit­te Ja­nu­ar ein Work­shop mit dem Trie­rer Ex-Bür­ger­meis­ter Klaus Jen­sen und ei­nem Me­dia­to­ren. Poß so­wie Stadt­bür­ger­meis­ter Gün­ther Tie­le­bör­ger (SPD) und ei­ne wei­te­re Ver­tre­te­rin der Stadt­ver­wal­tung nah­men an dem Tref­fen teil, das auf vier Stun­den an­ge­setzt war. „Es wur­den ge­mein­sa­me An­knüp­fungs­punk­te her­aus ge­ar­bei­tet und Ide­en ent­wi­ckelt, in wel­cher Form in Zu­kunft Res­sour­cen ge­bün­delt wer­den kön­nen“, sagt Sa­rah Boos für „Kan­del ge­gen rechts“. Zu­dem wur­den von­sei­ten der Bünd­nis­se auch kon­kre­te Un­ter­stüt­zungs­wün­sche an die Stadt ge­rich­tet. „Wir sind zu­ver­sicht­lich, mit so viel En­ga­ge­ment in Kan­del viel be­wir­ken zu kön­nen“, so Boos. Dies sol­le zum Teil mit ge­mein­sa­men Ak­tio­nen, zum Teil mit sich er­gän­zen­den Maß­nah­men ge­sche­hen. „Das war ein sehr kon­struk­ti­ves Kli­ma, wir ha­ben fest­ge­stellt, dass wir bei den Zie­len und den Mo­ti­ven ei­ne gro­ße Über­ein­stim­mung ha­ben“, be­tont auch Jut­ta Weg­mann für „Wir sind Kan­del“. Ab­ge­spro­chen wur­de ei­ne re­gel­mä­ßi­ge Kom­mu­ni­ka­ti­on, bei­de Bünd­nis­se wol­len da­für An­sprech­part­ner be­nen­nen. Ak­tio­nen sol­len künf­tig ab­ge­stimmt wer­den, ge­mein­sa­me Kund­ge­bun­gen ste­hen – noch – nicht auf der Ta­ges­ord­nung. Ganz wich­tig: Ver­ein­bart wur­de auch „ge­gen­sei­ti­ger Re­spekt vor den un­ter­schied­li­chen Ak­ti­ons­for­men“. Denn wäh­rend „Wir sind Kan­del“ eher bür­ger­lich ge­prägt ist, bün­delt „Kan­del ge­gen Rechts“ ver­schie­de­ne lin­ke Ak­teu­re, zu de­nen auch die „Omas ge­gen Rechts“ ge­hö­ren. Ent­spre­chend un­ter­schied­lich fal­len die Ak­tio­nen aus. Die­se wird es wei­ter­hin ge­ben: Für die kom­men­den ein­ein­halb bis zwei Jah­re wird die Rhein­stra­ße sa­niert. Auf­grund ei­nes Ret­tungs­kon­zepts, das si­cher­stel­len soll, dass den­noch im Not­fall al­le Stadt­tei­le schnell ver­sorgt sind, er­laubt die Ver­samm­lungs­be­hör­de kei­ne De­mons­tra­ti­ons­zü­ge mehr. Der In­itia­tor des „Frau­en­bünd­nis­ses“, Mar­co Kurz, hat des­halb zwar in den so­zia­len Netz­wer­ken mit­ge­teilt, künf­tig in Wörth zu de­mons­trie­ren. Ent­spre­chen­de An­kün­di­gun­gen für den 9. März und 6. April ver­brei­tet Kurz über sei­ne Web­sei­ten. Al­ler­dings kün­dig­te er auch an, viel­leicht in den klei­ne­ren Or­ten der Ver­bands­ge­mein­de auf die Stra­ße zu ge­hen (die RHEIN­PFALZ be­rich­te­te). „Wir wer­den selbst­ver­ständ­lich auch kei­ne ei­ge­nen De­mons­tra­tio­nen in Kan­del durch­füh­ren, so­lan­ge das ’Frau­en­bünd­nis’ der Stadt fern bleibt“, sagt Boos und zeigt sich er­freut über die Atem­pau­se für Kan­del. Für das En­ga­ge­ment von „Kan­del ge­gen Rechts“ sei der Un­ter­schied al­ler­dings nur ge­ring: „Wir spre­chen der Stadt Wörth und auch an­de­ren zu­künf­tig be­trof­fe­nen Or­ten un­se­re vol­le So­li­da­ri­tät aus und bie­ten je­de nur mög­li­che Un­ter­stüt­zung an. Rechts­po­pu­lis­ten und Men­schen mit na­tio­nal­so­zia­lis­ti­schem Ge­dan­ken­gut gilt es im­mer und über­all ent­ge­gen­zu­tre­ten.“ Nun kön­ne man end­lich um­set­zen, was man schon lan­ge ge­plant ha­be, sagt Weg­mann: „Wir sind Kan­del“ pla­ne ei­gen­stän­di­ge Ver­an­stal­tun­gen oder Kunst­ak­tio­nen. Das Pro­blem des zu­neh­men­den Rechts­ex­tre­mis­mus’ sei schließ­lich nicht aus der Welt. „Ziel ist es, mit den Leu­ten, die noch an­sprech­bar sind, in Dia­log zu kom­men.“ Man müs­se den­noch wach­sam blei­ben, ge­ra­de hin­sicht­lich der an­ste­hen­den Kom­mu­nal­wah­len und Eu­ro­pa­wah­len, mahnt Boos. Mit Blick auf die Grün­dung ei­nes Ver­eins des „Frau­en­bünd­nis­ses“ mit Sitz in Kan­del sagt Weg­mann: „Wir ge­hen da­von aus, dass die wei­ter prä­sent sind.“ Al­ler­dings sieht man neu­en Ak­tio­nen of­fen­sicht­lich eher ge­las­sen ent­ge­gen: „Wir ha­ben Ma­te­ri­al und Leu­te in der gan­zen Ver­bands­ge­mein­de und wir ha­ben in­zwi­schen Übung.“

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