Über die Verantwortung der Presse…

„Nicht selten höre ich die Meinung, ich solle halt erkennen, wie die Mehrheit denke. Wir Journalisten sollten unseren „moralischen Überschuss“ wieder hinter eine „neutrale Berichterstattung“ stellen.

Demnach wäre der ideale Politiker, der ideale Journalist, der genau das nachplappert und nachschreibt, was die vermeintliche Mehrheit denkt oder sagt oder fordert.[…]

Eine Bewertung, ein Wertemaßstab, gar ein moralischer, gelten als Versuch, die Mehrheit zu unterdrücken. Bloß kein innerer Kompass! Aber das wäre nichts anderes als opportunistisches Verhalten. Und es wäre gefährlicher Unsinn. Denn wenn es zum Beispiel aufgrund irrationaler Ängste Forderungen nach der Todesstrafe oder den Ruf nach einem starken Mann gibt, dann können und dürfen Journalisten das nicht einfach spiegeln.

Wir können über Rassismus, Menschenverachtung, Fremdenfeindlichkeit, Volksverhetzung, Radikalismus nicht „kühl berichterstatten“, sondern müssen das bewerten, einordnen, erklären. Würden wir ausschließlich berichten, täten wir so, als handle es sich um normale, akzeptable Gefühlsäußerungen. Aber dem ist nicht so.“

Auszug aus dem Buch „Post von Karlheinz“ von Hasnain Kazim erschienen im Penguin Verlag, 2018

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